Kantonsschule Enge Bildnerische Gestaltung Webdesign, Schriften: Frutiger
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Schriftfamilien
Groteskschrift: Frutiger, Adrian Frutiger
Über die Lesbarkeit

Unter dem Einfluss der verschieden Druckverfahren hat die lateinische Textschrift subtile Formveränderungen erfahren. Grundsätzlich neue Formen sind jedoch keine entstanden. Als Demonstration dafür sind acht a in den meistgelesenen Schriftstilen mit einem Drehraster versehen und übereinander kopiert. Das Resultat zeigt eine erstaunliche Übereinstimmung.


Das Kriterium der Lesbarkeit kann mit dem Begriff Schönheit verglichen werden.
1. Die Harmonie eines Gesichtes kann mit dem Buchstaben verglichen werden, welcher genau auf der skelettartigen Grundform basiert ist.
2. Wenn die Proportionen des Gesichtes sich verändert (Nase zu lang) oder die Schleife des a zu hoch angesetzt ist, erscheint in beiden Fällen eine Karikatur.
3. Der Karikatureffekt wird noch deutlicher mit der kurzen Nase und der tiefer angesetzten Horizontalen.

Das Wechselspiel zwischen Materie und Raum in der Schrift ... wie im Leben

  Adrian Frutiger

I first experienced the power of type to make the whole intellectual world readable with the same letters in the days of metal. This awakened in me the urge to develop the best possible legibility. The time soon came when texts were no longer set in metal types but by means of a beam of light. The task of adapting the typefaces of the old masters from relief type to flat film was my best school. When we came to the "Grotesk" style of sanserif, however, I had my own ideas which led to the Univers™ family. Technological progress was rapid. Electronic transfer of images brought the stepping, followed by my feelings for form. But today, with curve programs and laser exposure, it seems to me that the way through the desert has been completed.
From all these experiences the most important thing I have learned is that legibility and beauty stand close together and that type design, in its restraint, should be only felt but not perceived by the reader. In the course of my professional life I have aquired knowledge and manual skill. To pass on what I had learned and achieved to the next generation became a necessity.

Im Blei habe ich die Schrift und ihre Fähigkeit, mit immer denselben Lettern die ganze geistige Welt lesbar werden zu lassen, zuerst erlebt. Damit erwachte in mir das Bedürfnis, die bestmögliche Lesbarkeit zu entwickeln. – Schnell kam die Zeit, in der ein Text nicht mehr mit Bleibuchstaben, sondern durch einen Lichtstrahl gesetzt wurde. Die Aufgabe, die Schriften der alten Meister vom Hoch- in den Flachdruck umzudenken, war für mich die beste Schule. Als es jedoch um den Grotesk-Stil ging, hatte ich meine eigene Vorstellung: es enstand die Univers™-Familie. Die technischen Fortschritte gingen rasch voran. Die elektronische Bildübertragung brachte die Verzackung und später die Vektorisierung der Umrisse. Für mein Formengefühl war das eine Leidenszeit. Doch heute, mit Kurvenprogrammen und Laserbelichtung, scheint mir, dieser Weg durch die Wüste sei zu Ende gegangen. –
Aus allen diesen Erfahrungen habe ich als Wichtigstes gelernt, daß Lesbarkeit und Schönheit ganz nahe beieinander stehen und daß die Schriftgestalt in ihrer Zurückhaltung vom Leser nicht erkannt, sondern nur erfühlt werden darf. Die gute Schrift ist diejenige, die sich aus dem Bewußtsein des Lesers zurückzieht, um den Geist des Schreibenden und dem Verstehen des Lesenden alleiniges Werkzeug zu sein.

Dés mon apprentissage comme typographe, la capacité de rendre le monde de l'esprit par simple combinaison d'un nombre restreint de caractères en plomb me fascina. Ma passion pour la lettre et pour la lisibilité était née. Au plomb succéda bien vite la lumière. Les lettres ne furent plus imprimées par pression dans le papier, mais posées sur un film par un rayon lumineux. On me confia la tâche d'adapter les oeuvres des grands maîtres du relief à cette nouvelle technique "à plat" et ce fut la meilleure des écoles.

Arrivé au style "Antiques" (sanserifs), je pus â mon tour réaliser ma propre conception. La technique évolua rapidement. A la photoméchanique succéda le tube cathodique avec ses contours en escalier, puis en vecteurs, durcissant les formes. Ce fut pour moi une traversée du désert jusqu'à l'apparition des contours par segments et du rayon laser me permettant de retrouver le tracé subtil de la main.
Ainsi, tout au long de ma vie professionelle, je fus conduit à comprendre que la beauté, la lisibilité et, dans une certaine mesure, la banalité sont des notions très proches: la bonne lettre est celle qui s'efface devant le lecteur pour devenir pur véhicule entre l'esprit de l'écrit et la compréhension de la chose lue.

   
   
  Eines der ersten lateinischen Alphabete, gegossen und gedruckt von Nicolas Jenson, 1470
  Textsatz aus der Méridien
Avenir
Aegyptienne
Frutiger
   
   
 
 
   
Quelle http://www.linotype.com