DIE GESCHICHTE VOM URSPRUNG DER PATUA
UND VON DER ERSCHAFFUNG DER WELT


Von Monijay und Laloo Chitrakar

Diese Erzählung ist eine Version vom Schöpfungsmythos der Santal, wie er von den patua verstanden und rezitiert wird. Sie stammt aus einem Interview mit Monijay und Laloo Chitrakar, geführt am 5. August 1998; der Text war ihre Antwort auf unsere Frage nach dem Ursprung ihrer Kaste. Diese Version der Geschichte ist detaillierter als die Versionen bengalischer patua, zu deren Repertoire die Geschichte ebenfalls gehört, doch dienen auch sie in erster Linie dem Gelderwerb des Sängers, der sich gewöhnlich in den von ihm besuchten Häusern nur kurz aufhält, und sind deshalb bloss knappste Verdichtungen des Mythos, wie er von den Santal selbst erzählt wird.
Eine solche Rezitation in rituellem oder festlichem Kontext dauert neun bis zwölf Stunden und umfasst neben dem Geschehen der Erdschöpfung und der Menschwerdung die langen Berichte von der Entstehung der Clans, von ihren mytho-historischen Wanderungen, sowie eine Kette von Anekdoten um einzelne herausragende Persönlichkeiten und Ereignisse. Der Mythos wird erzählt, doch immer wieder unterbrochen von gesungenen Passagen, bei denen das anwesende Publikum mitsingt. Anlass einer solchen Rezitation sind Hochzeiten, wo die Familie des Bräutigams unterwegs zum Haus der Braut an einer Reihe von Wegsperren von den Angehörigen der Brautfamilie angehalten und nach der Herkunft ihres Clans befragt wird. Die Antwort besteht aus den Episoden des Mythos von der Entstehung der Welt und der Wanderung des Clans. Fallen die Antworten ungenügend oder fehlerhaft aus, muss die Partei des Bräutigams Strafe bezahlen in Form von Reisbier, und beide Familien erreichen das Haus der Braut in angemessen beschwingter und festlicher Stimmung. Andere Anlässe für eine vollständige Rezitation des Mythos bieten die Rituale und religiösen Feste der Santal im Frühjahr. Die Geschichte wird dann die ganze Nacht hindurch von einem Erzähler und einem Begleiter gemeinsam rezitiert. Letzterer gerät dabei in Trance, er selbst wird zur Stimme der Gottheit und übernimmt die Rezitation immer dort, wo den Erzähler sein Gedächtnis in Stich lässt und er die Gottheit bittet, ihm weiterzuhelfen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frage: Was wissen Sie über den Ursprung der pat-Tradition?
L: Als unser Beruf entstand, malte der chitrakar ein Bild und ging von Haus zu Haus.
Und so begann es. Man nennt uns chitrakar. Wir malen Bilder.
L: Weil die Tradition da war seit frühstem Anbeginn, existiert sie auch heute noch.
F: Jemand muss der erste gewesen sein! Gibt es eine Geschichte darüber, wie der erste patua diesen Beruf ergriff und warum?
L (zu M): Erzähle du!
M: Als zur Zeit des Glücklichen Zeitalters Maran Buru im Himmel lebte... Maran Buru kam herab auf das Wasser. Aus dem Schmutz seines Körpers machte er einen Vogel. Und Maran Burus Frau sagte: "Ja, du hast diesen Vogel geschaffen, aber was für ein Vogel soll es werden?" - "Oh, das wird ein wunderschöner Vogel!" - "Willst du den Vogel einfach fliegen lassen, oder wirst du irgendwelche Vorkehrungen für ihn treffen?" fragte seine Frau. Doch Maran Buru sagte: "Nein! Er braucht einen Platz! Bei all dem Wasser - was würde sonst aus ihm werden? Und wenn wir ihn ohne weiteres fliegen lassen, wird es uns leid tun!" Als Maran Buru dem Vogel Leben verliehen hatte, flog dieser hoch zum Himmel. Er kreiste und kreiste und kreiste im Himmel und fand keinen Platz, um sich niederzulassen. Es gab keinen Platz. Und als er schon sehr erschöpft war, sagte der Vogel: "Hai! Was ist aus meinem Leben geworden?! Es gibt keinen Platz, wo ich ausruhen könnte!" Und der Vogel flog und liess sich du dir dabei gedacht, als du diesen Vogel machtest?! Schau doch! Der Vogel kann nicht auf all dem Wasser leben!" Und was er nun tat, mein Herr, war folgendes: Er schnitt sich den Schnurrbart ab und streute die Haare auf das Wasser, und dort wuchs ein Wald von Schilf. Alles war Wasser. Es gab keinen Schlamm. Alles war Wasser. Der Vogel flog in den Wald und versuchte zu sitzen, aber er fand keinen festen Ort. Und die Frau sagte: "Herr, dieser Vogel hat noch immer keine Ruhe gefunden." Sie sagte: "Schau, er findet keine Ruhe. Nimm's mir nicht übel!" - "Gut. Ich werde Vorkehrungen treffen." Er überlegte und überlegte und überlegte. Dann schaute er... Dann: "Ha! Wellen auf den Wassern, Wellen auf dem Ganges!" Er schnitt sich einen Fingernagel ab und warf ihn hinunter, und wo der Nagel hinfiel, wuchs ein karam-Baum. Es war ein sehr grosser Baum! Der Vogel flog und liess sich darauf nieder. "Siehst du, Herr, diesmal hat der Vogel Ruhe gefunden!"
L: Das war sehr gut.
M: Und dort sass er, sass er... dieser Vogel sass auf dem Baum. Er sass und sass - zwei Vögel waren es, wissen Sie. Sie legten zwei Eier in dem Wald. Es war nicht ein Vogel, es waren zwei Vögel, und sie legten zwei Eier. Da sagte der Herr... Die Frau sagte zu ihm: "Herr, schau, die beiden Vögel haben zwei Eier gelegt. Ich habe es gesehen!" - "Du hast es gesehen? Wo denn?" - "Im Wald, Herr. Wir sind Götter, und deshalb können wir über diesen Gewässern leben. Von diesen beiden Vögeln, aus den zwei Eiern, werden zwei Kinder kommen, und es werden immer mehr werden. Es werden immer mehr werden! Was willst du für Vorkehrungen treffen?" - "Hu? Ich muss etwas unternehmen. Da die Vögel nun einmal da sind und ich sie erschaffen habe, muss ich etwas unternehmen." Und er überlegte und überlegte. Und seine Frau sass ihm gegenüber und sagte: "Herr, bist du noch immer nicht fertig mit Denken?" - "Hu! Ich brauche Schlamm vom Grund des Wassers." - "Gut. Tauche hinunter und hole den Schlamm!" Doch Maran Buru sagte: "Nein, nein! Das kann ich nicht! Das kann ich nicht!" - "Wen willst du schicken? Wer wird gehen?" - "Ich muss jemanden in diesem Wasser finden." - "Wen willst du schicken?" Er sagte, "ich will einen Fisch rufen." Er rief den Fisch: "Fisch!" -"Ja?" - "Tauche ins Wasser. Bringe uns Schlamm vom Grund! Ich habe zwei Vögel geschaffen. Die Vögel haben zwei Eier gelegt, und mehr wird daraus entstehen." - "Hu. Ich will gehen. Ja, ich will gehen." Er tauchte hinunter ins Wasser. Auch im Wasser lebt ein Gott - die Schildkröte. Die Schildkröten-Königin sass dort: "Oi! Warum bist du gekommen?" - "Der Herr hat mich geschickt. Ich werde etwas von deinem Schlamm nehmen." - "Du willst wieder gehen?" - "Ja." - "Wie wirst du ihn tragen?" - "Wie ich ihn tragen will? Ich werde ihn auf meinem Kopf tragen. Ich werde ihn auf meinen Kopf legen und mitnehmen." - "Haaa! Verrückter Kerl! Hast du das Geld?" - "Nein." Da nahm sie ihn beim Maul und schnitt es auf. Und so bekam der Fisch ein breites Maul. Es brannte und brannte und brannte. Sein Maul war eine Wunde, verstehen Sie? Es brannte und brannte und brannte, und so kam er hoch. "Ich grüsse dich, Herr!" - "Sag mir, was gibt es Neues? Ich habe dich gebeten, Schlamm zu bringen. Warum hast du das nicht getan?" Und er entgegnete: "Herr, dort verlangte man, dass ich für den Schlamm bezahle. Du hattest mir kein Geld gegeben. Du hattest mir kein Geld für den Schlamm gegeben. Man sagte zu mir, ,du kannst den Schlamm haben. Aber hast du das Geld für den Schlamm mitgebracht? Das musst du mir bringen!' Wie konnte ich? Deshalb sagte ich: ‚Nein! Ich werde ihn auf meinem Kopf tragen!' - und sie schnitt mein Maul auf. (L/M lachen) ‚Geh, geh, geh jetzt!' " Und sein Maul blieb so. Nicht nur sein Maul, die Mäuler aller Fische wurden so. Nun im Wasser eine Krabbe - eine sehr grosse Krabbe. Der Herr rief sie, und sie kam herbei. "Krabbe! Geh ins Wasser und bringe Schlamm!" - "Schlamm soll ich bringen?" - "Ja." - "Ich gehe." Sie tauchte auf den Grund des Wassers, wo die Schildkröte war. "Hast du das Geld für den Schlamm gebracht?" - "Nein." - "Nimm den Schlamm, nimm ihn auf den Kopf." Aber die Krabbe hat keinen Kopf! Und selbst wenn sie versucht hätte, ihn auf den Kopf zu laden - hätte sie den Schlamm hochbringen können?! Sie tauchte auf und sagte: "Herr! Ich konnte den Schlamm nicht bringen, denn unterwegs rutschte er zurück auf den Grund." - "Was soll ich bloss tun?" Und er befestigte ihre Augen seitlich am Kopf. Nun rief er "Schildkröte, Schildkröte!" Er rief die Schildkröte. Er rief die Schildkröte: "Königin! Königin!" Und sie dachte bei sich, "wenn der Herr ruft, muss ich meine Arbeit ruhen lassen und gehen!" Sie ging. "Herr, was hast du mir zu sagen?" - "Du musst etwas von dem Schlamm geben und Land machen." Und die Schildkröte sagte: "Herr, ich habe meine Feinde. Wenn ich hinunter tauche, werde ich getötet. Deshalb kann ich nicht gehen." - "Wer ist dein Feind?" - "Die Fische werden mich fressen. Es gibt zahlreiche Insekten im Wasser - sie werden mich fressen. Und Schlangen und andere - sie alle werden mich auffressen!" - "Gut. Ich werde Vorkehrungen treffen." Und er höhlte den Stengel der Lotospflanze aus. Sie kroch in die Röhre und tauchte tief hinunter ins Wasser. Sie steckte den Kopf aus der Röhre und begann, Schlamm zu fressen. Sie frass den Schlamm und schied ihn aus. Frass, frass, frass den Grund, frass und frass und langsam, langsam bildete sich das Land. Als es fertig war, sagte Maran Buru: "Geh, Schildkröten-Königin - du hast das Land gemacht. Du hast das Land zwar geschaffen..." Das Land war geschaffen, aber es war nicht fest. Es war weich. Wie hier dieses Bett - es gibt nach. Und wenn man auf dem Boden sitzt merkt man, dass er fest ist. An einer Stelle war das Land hoch. An anderer Stelle war es niedrig. Es gab keine ebenen Flächen. "Gut," sagte der Herr. Aus dem Wald des Sonnengottes schickte er zwei göttliche Kühe. Mit Hilfe dieser Waldbüffel ebnete er das Land. Es wurde eben und fest. Die Erde war eben, aber sie war nicht fest genug. Man setzte seinen Fuss auf, und er sank ein. Maran Buru schnitt seinen Schnurrbart ab und verstreute die Haare: Wo sie hinfielen wuchs Gras, und der Boden wurde fest. Nachdem er fest geworden war... Erinnern Sie sich: die beiden Vögel hatten zwei Eier gelegt. Und aus den zwei Eiern wurden zwei Menschen geboren. Da sagte Brahma, das heisst der Sonnengott... Brahma der Weise sagte: "Älterer Bruder! Nun haben wir diese beiden Kinder, und sie spielen. Welche Vorkehrungen wirst du für sie treffen? HEI! In diesem von Wasser umgebenen Land erlaube ich keine Menschen! Jage sie fort, töte sie!" - "Herr. Aus dem Schmutz machte ich zwei Vögel. Die Vögel legten zwei Eier, und aus den zwei Eiern wurden zwei Menschenkinder geboren. Und wenn ich sie nun töte, wird grosser Kummer mein Leben verdunkeln." Deshalb tötete er sie nicht, sondern baute aus Felsen ein Haus für sie und liess sie dort leben. Dort lebten sie als Mann und Frau und bekamen Kinder. Kinder wurden geboren; sieben Söhne wurden geboren und... acht Töchter wurden geboren. Und diese Jungen und Mädchen wurden langsam erwachsen. Sie kannten keine gekochte Nahrung; sie assen bloss, was da wuchs und von ihnen gesammelt wurde: Wildspinat und Kräuter; es gab schliesslich keine Landwirtschaft. Deshalb sagten die Mädchen: "Wir werden gehen und Spinat pflücken." Und sie zogen dem Fluss entlang durch die Ebenen und Wälder und pflückten Spinat und sangen Lieder. Alle Mädchen gemeinsam. Und die Jungen zogen auf die Jagd. Und während sie jagten, sahen sie zahlreiche Arten von Vögeln, und in den Wäldern sahen sie Schakale und Tiger. Sie jagten und jagten, mein Herr, sie jagten und jagten ohne Rast. Mittlerweile erreichten die Mädchen einen Ort, wo sie Wasser fanden, Wasser so süss wie Milch. Sie sagten: "Es wäre schön, von diesem Wasser zu trinken!" Sie schöpften Wasser mit ihren Händen und tranken. Und die anderen jagten alles, was sie aufspüren konnten. Sie jagten und jagten und erreichten jenen Ort. Und sie sagten: "Mädchen, ihr trinkt Wasser? Woher kommt ihr?" Und sie antworteten: "Wir sind die Kinder von Pilchu Haram und Pilchu Budhi. Wir trinken Wasser. Wir kamen, um Kräuter zu sammeln. Wir haben Kräuter gefunden und trinken Wasser. Aber wo kommt ihr her?" - "Wir? Auch wir sind... Der Herr ist unser Grossvater, Pilchu Haram ist unser Vater und Pilchu Budhi unsere Mutter." - "Sehr gut." Sie tranken Wasser und gingen fort. Und die Jungen gingen auf die Jagd. Sie jagten und jagten und jagten. Dann sagten sie: "Wie lange wollen wir noch jagen in dieser Hitze?" Und dort im Schatten eines Baumes, eines riesigen banyan-Baumes: "Hier wollen wir rasten." Und so wie sie sprachen, sprachen auch die Mädchen: "Kommt, wir wollen uns ein bisschen ausruhen!" Sie kamen zu jenem Baum, und auch die Knaben fanden sich ein bei dem Baum: "Seht nur - was für wunderhübsche Mädchen! Wie sie spielen! Kommt, lasst uns zu ihnen hingehen!" Sie gingen und fragten die Mädchen: "Welches ist euer Clan?" Diese antworteten: "Auf unserem Kopf tragen wir das Wassergeschirr: das ist unsere Kaste! Und wer seid ihr?" - "Wir pflügen und jagen mit Bogen und Pfeilen." - "Also gehören wir verschiedenen Kasten an!" Sie heirateten. Die älteste blieb alleine. Das älteste Mädchen blieb alleine. Es begann zu weinen: "Ihr alle habt Männer bekommen und geheiratet. Wie soll ich nun leben?" Und Prabhu - für die Santal ist er Maran Buru, für die Bengalen heisst er Prabhu: "Warum weinst du?" - "Sie sind alle verheiratet, nur ich bin alleine. Deshalb bin ich traurig." Und Prabhu sagte: "Nein, du brauchst nicht traurig zu sein! Du bist die Mutter des Glaubens geworden. Wenn sie Kinder bekommen, wirst du die Hebamme sein. Du bist die Mutter des Glaubens! F: Wurde das später ihr Name?
M: Maran Didi. Große Schwester. Die Hochzeit war vorüber. Es wurde viel getrommelt und gefeiert. "Guru Thakur!" Maran Buru kam. "Guru Thakur - wir haben nichts. Aber sieh, was unserem Vater gehörte - seine zerschlissenen Gewänder, seine Teller und Gefässe." Und diese schenkten sie ihm frohen Herzens. Seit jener Zeit gibt es die patua. Dann sagte Maran Buru zu den Kindern: "Schaut nun. Ich habe gearbeitet und euch alle verheiratet, und eure Kinder sind unterwegs. Doch nun werde ich nicht länger in menschlicher Gestalt bei Euch bleiben. Ich werde zu Indra aufsteigen, ich werde in den Himmel gehen. Von nun an sollt ihr mich als Gottheit betrachten." Und sie entgegneten: "Herr, du gehst fort. Aber in welcher Form und wo sollen wir dich verehren?" - "Ich gehe in den Himmel, doch ich werde euch nicht vergessen. An einem Ort, wo zwei sal-Bäume wachsen, sollt ihr mir opfern." Und Maran Buru sagte: "In meinem Namen opfert eine Henne, eine weisse Henne." Doch jene beiden - die Kinder, die aus den Eiern der Vögel geschlüpft waren - die beiden starben.
L: Sie starben: Pilchu Haram und Pilchu Budhi.
M: Sie starben. Sie riefen Maran Buru und sagten, "Herr, unser Vater und unsere Mutter sind gestorben! Was sollen wir mit ihnen tun; was müssen wir nun tun?" Dann: "Gut. Bestattet sie." - "Wie sollen wir sie beerdigen? Wir wissen nicht wie. Wir wissen nicht, wie man einen Menschen bestattet." - "Verbrennt sie!" - "Warum sollen wir sie verbrennen? Werden Menschen verbrannt? Sage uns, was sollen wir tun!" - "So müsst ihr das Feuer machen, und so müsst ihr sie verbrennen." Sie wurden an zwei getrennten Orten kremiert. Dann sagten sie: "Prabhu, wir haben keinen Brahmanen. Wir haben unseren Vater und unsere Mutter verbrannt. Wir werden das Leichenbegängnis machen mit dem was wir haben. Mit deinem Segen werden wir es tun. Aber an wen sollen wir die Geschenke verteilen im Namen unseres Vaters?" fragten die Kinder. "Also gut. Ich will nun die Asche von Pilchu Harams Körper nehmen und eueren Brahmanen erschaffen." Und damals, mein Herr, wurden wir geboren.
F: Aus Pilchu Harams Asche der erste patua...
M: Der erste patua, ja. So wurden wir erschaffen.
L: Seit jener Zeit zeigen wir den Santals das Auge, zeigen wir pat und haben zu essen. Und seit jenen Tagen besitzen die Santals einen Glauben. Es begann in jenen Tagen und es geht weiter bis heute.


ENDE DES INTERVIEWS

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

 

 

 

Im (Feld von) dhubi-Gras strichen die Brüder sindur in die Scheitel der Schwestern. Haram und Budhi erfuhren davon und sagten, "wir halten unser Leben nicht länger." Maran Buru kam herab und fragte, "warum wollt ihr eure Leben nicht länger behalten?" Und sie antworteten, "Brüder und Schwestern heirateten einander, ihr Ansehen unter den anderen wird leiden." Doch Maran Buru sagte, "werft euer Leben nicht fort! Bei den Lotosblättern von Ladu Band setzten die beiden sich hin und gelangten zu einer Entscheidung. Sie besprachen und beschlossen, verschiedene Kasten zu gründen. Soren Sipahi, Kison Kisku, Mahan Mardi, Cheka Murmu, Angharia, Chore Para, Hembrom, Hansda Baba, Murmu Baba - sie gaben diese Namen. Sie sagten, "Heirat zwischen Bruder und Schwester soll niemals erlaubt sein," und trennten die Clans. In alten Zeiten beschlossen die Ahnen der Santal, nicht innerhalb des Clans zu heiraten, und dieser Tradition folgen sie auch heute.
In alter Zeit herrschte bei den Handi Murmu der Brauch, einen Ochsen zu schlachten, indem man ihn auf den Kopf schlug mit dem Rücken der Axt. Benommen taumelte der Ochse in den Stall: Statt des Kopfs hatte er seine Kehrseite getroffen! Benommen drang der Ochs in den Stall; die Frau sagte, "beeilt euch und bringt eine Schüssel - sein Fett tropft und geht uns verloren!" Da packte Jog Manjhi Haramden Ochsen beim Schwanz, und dieser sprang hoch und schlug aus.
Zwei Hüterjungen fanden eine Python; Sie packten die Schlange beim Schwanz und schwangen sie um den Kopf als brennten sie Kalk. Sie hängten sie an den atna-Baum und häuteten sie. "Oh Bruder, wo ist das Messer, wo ist Gelbwurz und Salz?" - "Der Stein selbst ist Messer, der Stein selbst ist Löffel, der Stein selbst ist turmeric, der Stein selbst ist Topf!" - "Oh Bruder, lass uns gemeinsam rühren!" - "Nun denn, so lass uns rühren!" - "Oh Bruder, wirst du die Portionen verteilen?" - "Nein, Bruder nein! Der Jüngste soll teilen, und seine Portionen werden uns allen genügen." Der Jüngste verteilte das Fleisch auf Blätter, und mit dem, was er gab, waren alle zufrieden.
(Von Sadananda Chitrakar aus seinem Schöpfungspot)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Damals ging Budhi, sie trug auf dem Kopf einen Korb voll Grassamen und sammelte ranu, und Haram ging nach Nale Talwar, und an einem Ort genannt Lugu Buru brauten sie Reisbier, wozu sie gungu-Blätter falteten. Sieben Söhne und sieben Töchter wurden geboren. Pilchu Budhi sagte, Haram, lass uns von diesem süss schmeckenden Reisbier kosten!" Pilchu Haram entgegnete, "sei du bloss still! Im Namen Maran Burus muss ich erst einen Becher Reisbier vergiessen." Budhi machte aus Blättern drei Becher und füllte sie mit Reisbier. Einen Becher vergoss Haram im Namen Maran Burus. Haram und Budhi kosteten und fanden es überaus schmackhaft; Sie tranken und wurden betrunken, und ihre Kinder kamen zur Welt. Sie tranken, und er zog sie bei den Haaren und schlug sie. Maran Buru kam herunter und fragte, "weshalb streitet ihr?" Budhi gab zurück, "wie soll ich sagen - Haram, der Dreckskerl, tötete und verbrannte mich, und er nahm all unsere Kinder." Und Maran Buru sagte, "Budhi, sei still und höre auf zu zanken. Du nimmst deine sieben Töchter mit dir, und Haram nimmt sieben Söhne." Haram führte seine sieben Söhne in den Wald von Khanderai, und Budhi führte ihre sieben Töchter in den Wald von Sukuruc. Budhi führte sie dorthin, um grüne Blätter zu sammeln, und Haram führte sie in den Wald von Khanderai; sie trennten Söhne und Töchter.
(Von Sadananda Chitrakar aus seinem Schöpfungspot)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


In längst vergangener Zeit führte am Ufer des Jaynagar-Flusses Goda Mardi seine Wasserbüffel zur Weide; flussabwärts wusch ein Mädchen der Kisku seine Wäsche. Goda Mardis Haar mass zwölf Ellen. Aus dem Blatt eines Sal-Baumes rollte er ein beedie, ein Haar geriet ihm hinein, und er warf's in den Fluss. Das Kisku-Mädchen fand es, ergriff es und fand das lange Haar. Sie nahm es mit nach Hause und schloss Türe und Fenster. Seine Eltern fragten, "warum schliesst du Tür und Fenster und sitzt nur im Haus? Sage uns, wer hat dich geschlagen oder verletzt - Wir sind die Angehörigen des Königsclans! Wir werden ihn, der dich verletzte, fangen und zu dir bringen." - "Niemand schlug und niemand verletzte mich; doch es gibt etwas - wenn ihr es sucht und mir bringt, so werde ich Türe und Fenster öffnen!" Die Eltern fragten, "was ist es?" - "Zwölf Ellen langes Haar - die Person, der es gehört. Wenn's ein Junge ist, so will ich ihn heiraten. Wenn es ein Mädchen ist, so soll sie meine Freundin sein." Sie suchten und fanden: das Haar gehörte Goda Mardi. Er sass unter dem Heustock und flocht eine Strohschnur; Er verbarg sein Bein unter Stroh. Die Eltern erinnerten sich des Versprechens ihrer Tochter; Und Goda Mardi war Willens, die Tochter zur Frau zu nehmen. Sie heirateten - Mardi und Kisku. Frisch verheiratet sah das Mädchen - sein Bein war unförmig dick. "Ich werde nicht mit ihm gehen!" Und der Mardi-Junge schlug dem Kisku-Mädchen den Kopf ab. Mardi und Kisku begannen eine Fehde, die für immer andauern sollte - keine Ehen mehr zwischen den beiden.

Hier schoss der Chil Bindhi Gidi Hansda den Geier. Dieser Geier, wie in vergangenen Zeiten, schoss herab und fing Hühner; er trug auch kleine Kinder fort, und keiner konnte ihn töten. Da nahm der Chil Bindhi Gidi Hansda einen argom und schoss einen Pfeil durch das Loch. Der Pfeil fiel zur Erde, der Vogel war getroffen und fiel; er bedeckte eine Fläche von zwölf bigha; der Pfeil fiel zwölf bigha entfernt.
(Von Sadananda Chitrakar aus seinem Schöpfungspot)