|
Frage: Was wissen Sie über den
Ursprung der pat-Tradition?
L: Als unser Beruf entstand, malte der chitrakar ein Bild und ging
von Haus zu Haus.
Und so begann es. Man nennt uns chitrakar. Wir malen Bilder.
L: Weil die Tradition da war seit frühstem Anbeginn, existiert
sie auch heute noch.
F: Jemand muss der erste gewesen sein! Gibt es eine Geschichte
darüber, wie der erste patua diesen Beruf ergriff und warum?
L (zu M): Erzähle du!
M: Als zur Zeit des Glücklichen Zeitalters Maran Buru im Himmel
lebte... Maran Buru kam herab auf das Wasser. Aus dem Schmutz seines Körpers
machte er einen Vogel. Und Maran Burus Frau sagte:
"Ja, du hast diesen Vogel geschaffen, aber was für ein Vogel soll es werden?"
- "Oh, das wird ein wunderschöner Vogel!" - "Willst du den Vogel einfach
fliegen lassen, oder wirst du irgendwelche Vorkehrungen für ihn treffen?"
fragte seine Frau. Doch Maran Buru sagte: "Nein! Er braucht einen Platz!
Bei all dem Wasser - was würde sonst aus ihm werden? Und wenn wir ihn
ohne weiteres fliegen lassen, wird es uns leid tun!" Als Maran Buru dem
Vogel Leben verliehen hatte, flog dieser hoch zum Himmel. Er kreiste und
kreiste und kreiste im Himmel und fand keinen Platz, um sich niederzulassen.
Es gab keinen Platz. Und als er schon sehr erschöpft war, sagte der Vogel:
"Hai! Was ist aus meinem Leben geworden?! Es gibt keinen Platz, wo ich
ausruhen könnte!" Und der Vogel flog und liess sich du dir dabei gedacht,
als du diesen Vogel machtest?! Schau doch! Der Vogel kann nicht auf all
dem Wasser leben!" Und was er nun tat, mein Herr, war folgendes: Er schnitt
sich den Schnurrbart ab und streute die Haare auf das Wasser, und dort
wuchs ein Wald von Schilf. Alles war Wasser. Es gab keinen Schlamm. Alles
war Wasser. Der Vogel flog in den Wald und versuchte zu sitzen, aber er
fand keinen festen Ort. Und die Frau sagte: "Herr, dieser Vogel hat noch
immer keine Ruhe gefunden." Sie sagte: "Schau, er findet keine Ruhe. Nimm's
mir nicht übel!" - "Gut. Ich werde Vorkehrungen treffen." Er überlegte
und überlegte und überlegte. Dann schaute er... Dann: "Ha! Wellen auf
den Wassern, Wellen auf dem Ganges!" Er schnitt sich einen Fingernagel
ab und warf ihn hinunter, und wo der Nagel hinfiel, wuchs ein karam-Baum.
Es war ein sehr grosser Baum! Der Vogel flog und liess sich darauf nieder.
"Siehst du, Herr, diesmal hat der Vogel Ruhe gefunden!"
L: Das war sehr gut.
M: Und dort sass er, sass er... dieser Vogel sass auf dem Baum.
Er sass und sass - zwei Vögel waren es, wissen Sie. Sie legten zwei Eier
in dem Wald. Es war nicht ein Vogel, es waren zwei Vögel, und sie legten
zwei Eier. Da sagte der Herr... Die Frau sagte zu ihm: "Herr, schau, die
beiden Vögel haben zwei Eier gelegt. Ich habe es gesehen!" - "Du hast
es gesehen? Wo denn?" - "Im Wald, Herr. Wir sind Götter, und deshalb können
wir über diesen Gewässern leben. Von diesen beiden Vögeln, aus den zwei
Eiern, werden zwei Kinder kommen, und es werden immer mehr werden. Es
werden immer mehr werden! Was willst du für Vorkehrungen treffen?" - "Hu?
Ich muss etwas unternehmen. Da die Vögel nun einmal da sind und ich sie
erschaffen habe, muss ich etwas unternehmen." Und er überlegte und überlegte.
Und seine Frau sass ihm gegenüber und sagte: "Herr, bist du noch immer
nicht fertig mit Denken?" - "Hu! Ich brauche Schlamm vom Grund des Wassers."
- "Gut. Tauche hinunter und hole den Schlamm!" Doch Maran Buru sagte:
"Nein, nein! Das kann ich nicht! Das kann ich nicht!" - "Wen willst du
schicken? Wer wird gehen?" - "Ich muss jemanden in diesem Wasser finden."
- "Wen willst du schicken?" Er sagte, "ich will einen Fisch rufen." Er
rief den Fisch: "Fisch!" -"Ja?" - "Tauche ins Wasser. Bringe uns Schlamm
vom Grund! Ich habe zwei Vögel geschaffen. Die Vögel haben zwei Eier gelegt,
und mehr wird daraus entstehen." - "Hu. Ich will gehen. Ja, ich will gehen."
Er tauchte hinunter ins Wasser. Auch im Wasser lebt ein Gott - die Schildkröte.
Die Schildkröten-Königin sass dort: "Oi! Warum bist du gekommen?" - "Der
Herr hat mich geschickt. Ich werde etwas von deinem Schlamm nehmen." -
"Du willst wieder gehen?" - "Ja." - "Wie wirst du ihn tragen?" - "Wie
ich ihn tragen will? Ich werde ihn auf meinem Kopf tragen. Ich werde ihn
auf meinen Kopf legen und mitnehmen." - "Haaa! Verrückter Kerl! Hast du
das Geld?" - "Nein." Da nahm sie ihn beim Maul und schnitt es auf. Und
so bekam der Fisch ein breites Maul. Es brannte und brannte und brannte.
Sein Maul war eine Wunde, verstehen Sie? Es brannte und brannte und brannte,
und so kam er hoch. "Ich grüsse dich, Herr!" - "Sag mir, was gibt es Neues?
Ich habe dich gebeten, Schlamm zu bringen. Warum hast du das nicht getan?"
Und er entgegnete: "Herr, dort verlangte man, dass ich für den Schlamm
bezahle. Du hattest mir kein Geld gegeben. Du hattest mir kein Geld für
den Schlamm gegeben. Man sagte zu mir, ,du kannst den Schlamm haben. Aber
hast du das Geld für den Schlamm mitgebracht? Das musst du mir bringen!'
Wie konnte ich? Deshalb sagte ich: ‚Nein! Ich werde ihn auf meinem Kopf
tragen!' - und sie schnitt mein Maul auf. (L/M lachen) ‚Geh, geh, geh
jetzt!' " Und sein Maul blieb so. Nicht nur sein Maul, die Mäuler aller
Fische wurden so. Nun im Wasser eine Krabbe - eine sehr grosse Krabbe.
Der Herr rief sie, und sie kam herbei. "Krabbe! Geh ins Wasser und bringe
Schlamm!" - "Schlamm soll ich bringen?" - "Ja." - "Ich gehe." Sie tauchte
auf den Grund des Wassers, wo die Schildkröte war. "Hast du das Geld für
den Schlamm gebracht?" - "Nein." - "Nimm den Schlamm, nimm ihn auf den
Kopf." Aber die Krabbe hat keinen Kopf! Und selbst wenn sie versucht hätte,
ihn auf den Kopf zu laden - hätte sie den Schlamm hochbringen können?!
Sie tauchte auf und sagte: "Herr! Ich konnte den Schlamm nicht bringen,
denn unterwegs rutschte er zurück auf den Grund." - "Was soll ich bloss
tun?" Und er befestigte ihre Augen seitlich am Kopf. Nun rief er "Schildkröte,
Schildkröte!" Er rief die Schildkröte. Er rief die Schildkröte: "Königin!
Königin!" Und sie dachte bei sich, "wenn der Herr ruft, muss ich meine
Arbeit ruhen lassen und gehen!" Sie ging. "Herr, was hast du mir zu sagen?"
- "Du musst etwas von dem Schlamm geben und Land machen." Und die Schildkröte
sagte: "Herr, ich habe meine Feinde. Wenn ich hinunter tauche, werde ich
getötet. Deshalb kann ich nicht gehen." - "Wer ist dein Feind?" - "Die
Fische werden mich fressen. Es gibt zahlreiche Insekten im Wasser - sie
werden mich fressen. Und Schlangen und andere - sie alle werden mich auffressen!"
- "Gut. Ich werde Vorkehrungen treffen." Und er höhlte den Stengel der
Lotospflanze aus. Sie kroch in die Röhre und tauchte tief hinunter ins
Wasser. Sie steckte den Kopf aus der Röhre und begann, Schlamm zu fressen.
Sie frass den Schlamm und schied ihn aus. Frass, frass, frass den Grund,
frass und frass und langsam, langsam bildete sich das Land. Als es fertig
war, sagte Maran Buru: "Geh, Schildkröten-Königin - du hast das Land gemacht.
Du hast das Land zwar geschaffen..." Das Land war geschaffen, aber es
war nicht fest. Es war weich. Wie hier dieses Bett - es gibt nach. Und
wenn man auf dem Boden sitzt merkt man, dass er fest ist. An einer Stelle
war das Land hoch. An anderer Stelle war es niedrig. Es gab keine ebenen
Flächen. "Gut," sagte der Herr. Aus dem Wald des Sonnengottes schickte
er zwei göttliche Kühe. Mit Hilfe dieser Waldbüffel ebnete er das Land.
Es wurde eben und fest. Die Erde war eben, aber sie war nicht fest genug.
Man setzte seinen Fuss auf, und er sank ein. Maran Buru schnitt seinen
Schnurrbart ab und verstreute die Haare: Wo sie hinfielen wuchs Gras,
und der Boden wurde fest. Nachdem er fest geworden war... Erinnern Sie
sich: die beiden Vögel hatten zwei Eier gelegt. Und aus den zwei Eiern
wurden zwei Menschen geboren. Da sagte Brahma, das
heisst der Sonnengott... Brahma der Weise sagte: "Älterer Bruder! Nun
haben wir diese beiden Kinder, und sie spielen. Welche Vorkehrungen wirst
du für sie treffen? HEI! In diesem von Wasser umgebenen Land erlaube ich
keine Menschen! Jage sie fort, töte sie!" - "Herr. Aus dem Schmutz machte
ich zwei Vögel. Die Vögel legten zwei Eier, und aus den zwei Eiern wurden
zwei Menschenkinder geboren. Und wenn ich sie nun töte, wird grosser Kummer
mein Leben verdunkeln." Deshalb tötete er sie nicht, sondern baute aus
Felsen ein Haus für sie und liess sie dort leben. Dort
lebten sie als Mann und Frau und bekamen Kinder. Kinder wurden geboren;
sieben Söhne wurden geboren und... acht Töchter wurden geboren. Und diese
Jungen und Mädchen wurden langsam erwachsen. Sie kannten keine gekochte
Nahrung; sie assen bloss, was da wuchs und von ihnen gesammelt wurde:
Wildspinat und Kräuter; es gab schliesslich keine Landwirtschaft. Deshalb
sagten die Mädchen: "Wir werden gehen und Spinat pflücken." Und sie zogen
dem Fluss entlang durch die Ebenen und Wälder und pflückten Spinat und
sangen Lieder. Alle Mädchen gemeinsam. Und die Jungen zogen auf die Jagd.
Und während sie jagten, sahen sie zahlreiche Arten von Vögeln, und in
den Wäldern sahen sie Schakale und Tiger. Sie jagten und jagten, mein
Herr, sie jagten und jagten ohne Rast. Mittlerweile erreichten die Mädchen
einen Ort, wo sie Wasser fanden, Wasser so süss wie Milch. Sie sagten:
"Es wäre schön, von diesem Wasser zu trinken!" Sie schöpften Wasser mit
ihren Händen und tranken. Und die anderen jagten alles, was sie aufspüren
konnten. Sie jagten und jagten und erreichten jenen Ort. Und sie sagten:
"Mädchen, ihr trinkt Wasser? Woher kommt ihr?" Und sie antworteten: "Wir
sind die Kinder von Pilchu Haram und Pilchu Budhi. Wir trinken Wasser.
Wir kamen, um Kräuter zu sammeln. Wir haben Kräuter gefunden und trinken
Wasser. Aber wo kommt ihr her?" - "Wir? Auch wir sind... Der Herr ist
unser Grossvater, Pilchu Haram ist unser Vater und Pilchu Budhi unsere
Mutter." - "Sehr gut." Sie tranken Wasser und gingen fort. Und die Jungen
gingen auf die Jagd. Sie jagten und jagten und jagten. Dann sagten sie:
"Wie lange wollen wir noch jagen in dieser Hitze?" Und dort im Schatten
eines Baumes, eines riesigen banyan-Baumes: "Hier wollen wir rasten."
Und so wie sie sprachen, sprachen auch die Mädchen: "Kommt, wir wollen
uns ein bisschen ausruhen!" Sie kamen zu jenem Baum,
und auch die Knaben fanden sich ein bei dem Baum: "Seht nur - was für
wunderhübsche Mädchen! Wie sie spielen! Kommt, lasst uns zu ihnen hingehen!"
Sie gingen und fragten die Mädchen: "Welches ist euer Clan?" Diese antworteten:
"Auf unserem Kopf tragen wir das Wassergeschirr: das ist unsere Kaste!
Und wer seid ihr?" - "Wir pflügen und jagen mit Bogen und Pfeilen." -
"Also gehören wir verschiedenen Kasten an!" Sie heirateten. Die älteste
blieb alleine. Das älteste Mädchen blieb alleine. Es begann zu weinen:
"Ihr alle habt Männer bekommen und geheiratet. Wie soll ich nun leben?"
Und Prabhu - für die Santal ist er Maran Buru, für die Bengalen heisst
er Prabhu: "Warum weinst du?" - "Sie sind alle verheiratet, nur ich bin
alleine. Deshalb bin ich traurig." Und Prabhu sagte: "Nein, du brauchst
nicht traurig zu sein! Du bist die Mutter des Glaubens geworden. Wenn
sie Kinder bekommen, wirst du die Hebamme sein. Du bist die Mutter des
Glaubens! F: Wurde das später ihr Name?
M: Maran Didi. Große Schwester. Die Hochzeit
war vorüber. Es wurde viel getrommelt und gefeiert. "Guru Thakur!" Maran
Buru kam. "Guru Thakur - wir haben nichts. Aber sieh, was unserem Vater
gehörte - seine zerschlissenen Gewänder, seine Teller und Gefässe." Und
diese schenkten sie ihm frohen Herzens. Seit jener Zeit gibt es die patua.
Dann sagte Maran Buru zu den Kindern: "Schaut nun. Ich habe gearbeitet
und euch alle verheiratet, und eure Kinder sind unterwegs. Doch nun werde
ich nicht länger in menschlicher Gestalt bei Euch bleiben. Ich werde zu
Indra aufsteigen, ich werde in den Himmel gehen. Von nun an sollt ihr
mich als Gottheit betrachten." Und sie entgegneten: "Herr, du gehst fort.
Aber in welcher Form und wo sollen wir dich verehren?" - "Ich gehe in
den Himmel, doch ich werde euch nicht vergessen. An einem Ort, wo zwei
sal-Bäume wachsen, sollt ihr mir opfern." Und Maran Buru sagte: "In meinem
Namen opfert eine Henne, eine weisse Henne." Doch
jene beiden - die Kinder, die aus den Eiern der Vögel geschlüpft waren
- die beiden starben.
L: Sie starben: Pilchu Haram und Pilchu Budhi.
M: Sie starben. Sie riefen Maran Buru und sagten, "Herr, unser
Vater und unsere Mutter sind gestorben! Was sollen wir mit ihnen tun;
was müssen wir nun tun?" Dann: "Gut. Bestattet sie." - "Wie sollen wir
sie beerdigen? Wir wissen nicht wie. Wir wissen nicht, wie man einen Menschen
bestattet." - "Verbrennt sie!" - "Warum sollen wir sie verbrennen? Werden
Menschen verbrannt? Sage uns, was sollen wir tun!" - "So müsst ihr das
Feuer machen, und so müsst ihr sie verbrennen." Sie wurden an zwei getrennten
Orten kremiert. Dann sagten sie: "Prabhu, wir haben
keinen Brahmanen. Wir haben unseren Vater und unsere Mutter verbrannt.
Wir werden das Leichenbegängnis machen mit dem was wir haben. Mit deinem
Segen werden wir es tun. Aber an wen sollen wir die Geschenke verteilen
im Namen unseres Vaters?" fragten die Kinder. "Also gut. Ich will nun
die Asche von Pilchu Harams Körper nehmen und eueren Brahmanen erschaffen."
Und damals, mein Herr, wurden wir geboren.
F: Aus Pilchu Harams Asche der erste patua...
M: Der erste patua, ja. So wurden wir erschaffen.
L: Seit jener Zeit zeigen wir den Santals das Auge, zeigen wir
pat und haben zu essen. Und seit jenen Tagen besitzen die Santals einen
Glauben. Es begann in jenen Tagen und es geht weiter bis heute.
ENDE DES INTERVIEWS 
|


|